Ein Traum im Pin-Up-Art

Juni 20, 2008

Ich habe so ziemlich das Schlimmste durchgemacht, was einer Frau passieren kann. Letztes Jahr verpasste ich die Chance, mein Traumkleid zu kaufen. Noch heute trauere ich.

Kleid im Pin-Up Stil

“Du musst das Kleid nehmen!”, meinte Regina mit weit aufgerissenen Augen als ich aus der Umkleidekabine heraustrat. Im Spiegel erkannte ich mich selbst kaum wieder. Wer mich kennt, weiß, dass Jeans quasi zu meiner Uniform zählt.

Ich liebe Pin-Up-Art, also jene Alltagskunst, die ab den 20er Jahren in den Massenmedien ihre Verbreitung fand. Bettie Page ist wahrscheinlich das populärste Pin-Up-Girl und hatte in den 50er Jahren ihre Blütezeit.

Auch die stimmgewaltige Christina Aguilera besinnt sich jüngst “Back to the basics” und verhilft dem aufreizenden und verspielten Kleidungsstil dieser Richtung zu neuem Glanz. In ihrem Video “Candyman” praktiziert sie Pin-Up-Glamour vom Feinsten.

Unabhängig von Christina Aguileras Ausflug in diese Ära, hat mich dieser Stil schon seit einigen Jahren fasziniert. In meinen schönsten Träumen sitze ich lachend auf einer Schaukel und mein schmuckes Pin-Up-Kleid schwingt harmonisch im Wind.

Las Vegas, 14. Dezember 2007 – Ich traue meinen Augen nicht. Da ist doch tatsächlich ein Bettie Page Shop. Ein ganzes Geschäft mit grenzgenialen Kleidungsstücken in Pin-Up-Art. Ich muss mindestens eine Stunde jedes einzelne Teil unter die Lupe genommen haben, bevor ich mit dem schönsten Exemplar, einem schwarzen Kleid mit weißen Tupfen und den dazupassenden roten Schühchen in die Umkleidekabine schwebte. Das Kleid gleitete wie durch Geisterhand über meinen Körper und als ich den knallroten Gürtel schloss, war mir klar “Das muss mein Kleid sein.”

Ich schob den Vorhang zur Seite und machte eine Pin-Up-Pose. Auch meine Freundin Regina und mein Freund Ronny bestätigten, dass mir das Kleid absolut super stand. Ich beschloss es zu kaufen. Als ich dann das Kleid wieder auszog, kam der verhängnisvolle Blick auf das Preiszettelchen. “250 Dollar für so wenig Stoff, oh mein Gott.” Ich fragte meine beiden Freunde nach Rat. Ronny redete mir das Kleid sofort mit einem fadenscheinigen Grund aus – typisch Mann. Plötzlich war das Kleid gar nicht mehr so schön. Er wollte es mir nämlich zu Weihnachten kaufen. Nach einem viertelstündigen hin- und herüberlegen, siegte dann schließlich die Vernunft, so ein sündhaft teures Kleid nicht zu kaufen, was ich eh kaum anziehen kann. Ronny hievte mich aus dem Laden.

Der Rest des Urlaubs war eine halbe Katastrophe, da ich nicht aufhören konnte an das Kleid zu denken. Bereits am nächsten Tag bereute ich zu tiefst meine Entscheidung. Am 24. Dezember kamen wir wieder in Österreich an. Zu meiner großen Freude schenkte mir Ronny einen Gutschein für das Pin-Up-Kleid, dass ich übers Internet bestellen sollte. Bereits tags darauf besuchte ich die Homepage und wollte es erwerben. Ich traute meinen Augen nicht, aber es gab keine Bestelloption. Tränen schossen in meine Augenwinkel – das darf doch nicht wahr sein.

Einige Wochen benötigte ich, um den Schmerz zu überwinden und bis heute bin ich nicht ganz darüber hinweggekommen. Aber ich habe eine wichtige Lektion gelernt. Wer von einem Kleidungsstück 100%ig überzeugt ist, sollte sofort zuschlagen, sofern er sich nicht in den finanziellen Ruin stürzt.

Auf, dass der nächste Shopping-Trip bald wieder kommt!

Tazige Grüße

P.S.: Ganz aufgegeben habe ich noch nicht, denn ich war sicher nicht das letzte Mal in Kalifornien.

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